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Zeitungsartikel Baslerstab vom 23./24. Dezember 2003
Auch Frauen wollen bauen
22 Frauen zeigen, dass die Arbeit auf dem Bau nicht den Männern vorbehalten ist.
"Wir haben längst noch nicht alle Frauen angesprochen, die in Bauberufen tätig sind", sagt Restauratorin Andrea Amrein von den Baufrauen Basel. Ihre Berufe reichen von Lüftungstechnikerin über die Architektin bis zur Malerin.
Heute haben sich 22 Berufsfrauen dem losen, 1998 gegründeten Netzwerk angeschlossen. Sie treffen sich monatlich zu einem Stammtisch und haben sich in der Vergangenheit an zahlreichen Projekten, beispielsweise an Berufsparcours, beteiligt. Doch der Kreis der Baufrauen soll grösser werden.
Homepage dank Preis
Mit dem Geld für das "heisse Eisen", dem Chancengleichheitspreis beider Basel, werden sie sich die lange gewünschte Homepage einrichten. Damit werden die Baufrauen für andere Baufrauen besser auffindbar und auf dem Markt präsenter sein.
Nicht immer liegt es an der Berufswahl, dass es auf den Baustellen noch so weinig Frauen gibt. Bei den Malern beträgt der Frauenanteil bei den Berufsabschlüssen gesamtschweizerisch mittlerweile ein Drittel. Doch die Ausstiegsrate ist hoch. "Wenige Jahre später arbeiten nur noch wenige dieser Berufsfrauen als Malerinnen", sagt Malerin Luzia Borer. Und Amrein meint: "Es gibt zahlreiche Frauen, die zwar einen Bauberuf lernen, dann aber ins Büro wechseln, weil ihnen auf der Baustelle die nötige Unterstützung fehlt."
Am besten geht es den Frauen, die sich selbständig machen. "Mir persönlich geht es gut, weil ich in einer Chefposition bin", betont Borer. Als Angestellte aber gehörten dumme Sprüche, die auf sie als Frau abzielten, zum Alltag, und das mache müde. "Als Frau musste ich ständig bereit sein, mit einem entsprechenden Spruch zu kontern."
Sorgfältiger arbeiten
Borer ist überzeugt, dass sich mit einem höheren Frauenanteil das Klima auf den Baustellen und die Qualität der Arbeit verbessern würden. "Frauen arbeiten sorgfältiger, und sie wählen den Beruf bewusster aus."
Eine zufriedene Baufrau ist auch Restauratorin Amrein. "Viele Berufskolleginnen weichen auf Museen aus, aber ich wollte immer auf einer Baustelle arbeiten. Mit gutem Grund: "Ich kann an interessanten Gebäuden arbeiten. Jedes Objekt ist anders, und das Gespräch mit Architektinnen, der Bauherrschaft und der Denkmalpflege ist hochspannend."
Cornelia Thürlemann, (Bild: Heinz Dürrenberger)
Zeitungsartikel BAZ vom 1.November 2003
Die Frauen schlagen zurück
Die Verleihung des Chancengleichheitspreises beider Basel lief nicht nach Protokoll ab. Etliche Frauen kritisierten diejenigen bürgerlichen Politiker, die an der Baselbieter Fachstelle für Gleichstellung rütteln.
Auszeichnung. Nelly Meyer-Fankhauser erhielt, ebenso wie die Gruppe Baufrauen Basel, vom Basler Regierungsrat Hans
Martin Tschudi in Laufen den Chancengleichheitspreis beider Basel überreicht.
Laufen. rock. In dürftigen Zeiten bieten Preisverleihungen eine willkommene Plattform, um zwischen Scheckübergabe und Apéro Kampfbereitschaft zu demonstrieren. Am Donnerstagabend waren engagierte Frauen, die diese Bühne bei der Verleihung des Chancengleichheitspreises beider Basel "das heisse Eisen" in Laufen nutzten. Ihren Ärger geweckt haben die SD-, SVP-, FDP-Politiker, die im Landrat an der Baselbieter Fachstelle für Gleichstellung von Mann und Frau rütteln. Deren Vorstösse wurden am Donnerstag, rund zwei Wochen vor der Landratsdebatte, im Laufner Kulturzentrum schon mal mit sämtlichen Waffen einer Frau bekämpft: Frauenratspräsidentin Annemarie Marbet betonte ausserhalb des Protokolls die Bedeutung der Fachstelle mit ihren 2,2 Stellen. Zuvor schon hatten die elegant drapierten Damen vom Komitee pro Gleichstellung die Bühne gestürmt, um den Politikern bei einer inszenierten Miss-Gleichstellung-Wahl charmant mit Liebesentzug zu drohen: "Sie spaare mir wähle."
Offenbar sind es aber noch immer die Männer, die das Sagen haben. Der offizielle Teil mit Begrüssung und Preisverleihung war jedenfalls Sache des Baselbieter Regierungsrates Adrian Ballmer und seines Basler Kollegen Hans Martin Tschudi. Ballmer legte zwar kein Bekenntnis zur Gleichstellungsarbeit ab, machte den Frauen aber Mut: "Es wird nicht so heiss gegessen, wie gekocht wird", sagte er zur Debatte um die Abschaffung des Gleichstellungsbüros. Dass im Kampf für Gleichberechtigung Wirtschaft und Politik gefordert seien, stellte danach Fabienne Peter, Assistenzprofessorin am WWZ Basel, klar. In der Berufswelt würden die Frauen weiterhin benachteiligt. Nicht entmutigen davon liessen sich Nelly Meyer-Fankhauser und die Gruppe Baufrauen Basel: Für ihre Unterstützung von Frauen, die in Männerdomänen eingebrochen sind, überreichte ihnen Hans Martin Tschudi am Donnerstagabend den mit insgesamt 20'000 Franken dotierten Chancengleichheitspreis beider Basel "das heisse Eisen". Nelly Meyer-Fankhauser hat vor zehn Jahren von Frenkendorf aus das "NEFU Netzwerk für Einfrauen-Unternehmerinnen" gegründet, das heute weit über die Region hinaus von 1600 Netzwerkerinnen genutzt wird. Die Baufrauen Basel wiederum vernetzen Frauen aus Bau- und Planungsberufen und machen jungen Frauen Mut, in die Branche einzusteigen (die BaZ berichtete). Ihre Ziele sind weiterhin hoch: 2010, so sagen sie, soll erneut ein Chancengleichheitspreis an Bauleute gehen an Baumänner.
© 2003 National Zeitung und Basler Nachrichten AG, (Bild: Heinz Dürrenberger)
Zeitungsartikel BZ vom 1.November 2003
"Fürs heissi Yse bruchts au Kohle"
Heiss / Der diesjährige Chancengleichheitspreis "Das heisse Eisen" geht an die Baufrauen Basel und das Projekt NEFU von Nelly Meyer-Fankhauser. Die spontane Aktion "Miss Gleichstellung" protestierte gegen geplante Sparmassnahmen.
Ausgezeichnet. Nelly Meyer-Fankhauser (Mitte) und die Baufrauen freuen sich über den Chancengleichheitspreis.
Laufen. Wo früher nur Männer ein und aus gingen im alten Schlachthaus in Laufen fand ironischerweise die Verleihung des diesjährigen Chancengleichheitspreises beider Basel statt. Den mit 20 000 Franken dotierten Preis "Das heisse Eisen" teilten sich die Baufrauen Basel und Nelly Meyer-Fankhauser als Gründerinnen des Netzwerkes für Einfrau-Unternehmerinnen (bz vom 16. und 10. September).
"Heiss ist politisch zurzeit auch, ob eine Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann überhaupt noch notwendig sei", verwies der Baselbieter Regierungsrat Adrian Ballmer in seiner Ansprache auf die drei Vorstösse im Landrat zur Abschaffung des Büros. Aber schliesslich würde nicht immer alles so heiss gegessen, wie es gekocht würde. "Manchmal ist es besser, etwas zuzuwarten", plädierte er für die vorläufige Beibehaltung der Stelle.
Dass es mit der Gleichstellung der Frau im Berufsleben noch immer nicht weit her ist, zeigte die Basler Wirtschaftsprofessorin Fabienne Peter in ihrem Referat "Chancengleichheit zwischen Wirtschaft und Politik". Sie betonte, dass sowohl Wirtschaft wie Staat "unternehmungslustige Frauen" brauchten zur Beseitigung von wirtschaftschädigender Diskriminierung. Herzlich lachen musste das Publikum über die nobelpreiswürdige These, dass Firmen mit (billigen) Frauen als Arbeitskräften konkurrenzfähiger wären als Firmen, die nur mit (teuren) Männer arbeiten würden und sich diese diskriminierenden Firmen quasi selber aus dem Markt drängen würden. Auch Peter verwarf diese These und betonte stattdessen die Bedeutung von Frauen-Netzwerken, um in der Arbeitswelt bestehen zu können. Damit lobte die natürlich insbesondere die Preisträgerinnen. Bevor die 15 Baufrauen und Nelly Meyer-Fankhauser ihren Preis entgegennehmen konnten, ging noch eine vom Komitee "pro Gleichstellung" lancierte "Miss Gleichstellungs"-Wahl über die Bühne. Im Unterschied zu anderen Miss-Wahlen hatten die acht Missen gewürzte Statements vorzuweisen: "Sparen tut gut. Gleichstellung braucht Mut", reimte eine Kandidatin; "fürs heissi Yse bruchts Kohle", forderte eine andere. "I miss Gleichstellig", brachten die Frauen es auf den Punkt und kürten Nelly Meyer-Fankhauser und Andrea Amrein als Stellvertreterin für die 15 Baufrauen zur "Miss Gleichstellung 2003".
In sieben Jahren bekommen die Männer den Preis
"I miss Gleichstellung too", outete sich darauf der Basler Regierungsrat Hans Martin Tschudi, während er den "ausgezeichneten" Frauen den von den Regierungen beider Basel getragenen Chancengleichheitspreis überreichen konnte. Nelly Meyer-Fankhauser dankte ihrem Mann, der ihr immer beigestanden und sogar abgewaschen habe. Die Baufrauen ihrerseits blickten in die Zukunft: "Im Jahr 2010 bekommen dann die Männer in der Baubranche an dieser Stelle den Gleichstellungspreis..." Durch den Abend führte die Schauspielerin Christina Stöcklin aus Liestal. Gute Vibrationen verströmte sie insbesondere mit ihrem Abschlusslied "Die Welt braucht mehr Wiib-Ratione".
(big), (Bild: Heinz Dürrenberger)
Zeitungsartikel BAZ vom 10.September 2003
Der diesjährige Chancengleichheitspreis beider Basel, "das heisse Eisen", geht an zwei innovative Netzwerke für Berufsfrauen.
Basel/Liestal. BaZ. Mit dem Chancengleichheitspreis 2003 zeichnen die Regierungen der beiden Halbkantone Basel-Stadt und Baselland die "Baufrauen Basel" und das in Frenkendorf domizilierte "NEFU Netzwerk für Einfrau-Unternehmerinnen" von
Nelly Meyer-Fankhauser aus. Dies teilten die Regierungen gestern mit.
Damit gehe "das heisse Eisen" dieses Jahr an zwei sehr unterschiedliche Organisationen, die sich für die gegenseitige Unterstützung, Förderung und Weiterentwicklung von Frauen in geschlechtsuntypischen Funktionen und Branchen einsetzten.
Gemeinsam ist den beiden Preisträgerinnen laut Mitteilungen die Strategie einer konsequenten und innovativen Vernetzung unter Berufsfrauen. Die beiden ausgezeichneten Organisationen teilen sich das Preisgeld von 20 000 Franken. Der Chancen-gleichheitspreis "das heisse Eisen" wird seit 1996 an innovative Projekte verliehen, die ernst machen mit gleichen Chancen für Frau und Mann.
Für untypische Frauenberufe
Die Gruppe "Baufrauen Basel" wurde im November 1998 gegründet. Die lose Gruppierung vernetzt Frauen aus Bau- und Planungsberufen und fördert ihren Austausch durch vielseitige Angebote, Veranstaltungen und Projekte. Themen sind die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Bausektor, Umgang mit Mobbing, sexueller Belästigung oder die Gründung eines Unternehmens.
Besonderes Gewicht legten die Baufrauen Basel bisher darauf, junge Frauen und Mädchen zu motivieren, einerseits in geschlechtsuntypische Berufe einzusteigen, andererseits auch darin zu bleiben. So sind "Baufrauen Basel" eine Anlaufstelle für Mädchen oder Institutionen, die Berufsvorbilder brauchen. Die "Baufrauen Basel" sind ebenso Partnerinnen von Berufsmotiva-tionsprojekten.
So arbeiten sie beispielsweise an einem Berufsparcour mit oder dem Video "look an go", einer Serie mit Berufsfrauen aus untypischen Berufen. Mit dem Preisgeld möchte die Gruppe eine eigene Homepage gestalten.
Netzwerk für Unternehmerinnen
NEFU wurde von Nelly Meyer-Fankhauser vor genau zehn Jahren gegründet, um Unternehmerinnen ein Forum und Netzwerk zu bieten. Unter ihrer Leitung entwickelte sich das zu Beginn regional ausgerichtete Netz konsequent zu einer schweizerischen Organisation mit heute bereits rund 1600 Netzwerkerinnen.
Regelmässige Workshops , Kurse und regionale monatliche Stammtische zum Informations- und Erfahrungsaustausch unter Frauen gehören heute zum Angebot. Neben der gesamtschweizerischen Koordinationsstelle bietet NEFU auch Weiterbildungs-programme, diverse Mailinglisten und ein Mentoring-Programm an.
Die in Frenkendorf wohnhafte Gründerin Nelly Meyer hat gemeinsam mit Jeanette Plattner ihr reiches Wissen und ihre Erfahrungen im Handbuch "Wirtschaften ist weiblich vernetz denken auch" für Einfrau-Unternehmerinnen öffentlich zugänglich gemacht. Das Buch ist dieses Jahr bereits als Zweitauflage erschienen. Nach zehnjähriger Aufbauarbeit und zentraler Koordi-nationstätigkeit tritt Nelly Meyer jetzt zurück und übergibt das Netzwerk an mehrere Verantwortungsträgerinnen.
Die feierliche Verleihung des Chancengleichheitspreises 2003 findet am Donnerstag, 30. Oktober, um 18.15 Uhr im Kultur-zentrum "Alts Schlachthuus" in Laufen statt.
© 2003 National Zeitung und Basler Nachrichten AG
Zeitungsartikel BZ vom 10.September 2003
"Heisses Eisen" an Frauen Netzwerk
Liestal/Basel. Der Chancengleichheitspreis beider Basel mit dem Namen "das heisse Eisen" geht an die "Baufrauen Basel" und das "NEFU Netzwerk für Einfrauunternehmerinnen" mit Sitz in Frenkendorf. Die Preisträgerinnen teilen sich den mit
20 000 Franken dotierten Preis, wie die Regierungen beider Basel mitteilten. Sie wollen mit dieser Wahl "die Wichtigkeit innovativer Vernetzungsarbeit unter Berufsfrauen" unterstreichen. Die "Baufrauen Basel" sind 1998 von und für Frauen in Bau- und Planungsberufen gegründet worden. Ihre Angebote betreffen Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Mobbing, sexuelle Belästigung oder Unternehmensgründung. Das 1993 von Nelly Meyer-Fankhauser gegründete NEFU ist zu einer nationalen Organisation mit 1600 Mitgliedern angewachsen. Neben Workshops bietet NEFU auch Weiterbildung und Mentoring an. (bz)
Zeitungsartikel 20min vom 10.September 2003
"Heisses Eisen" geht an Frauen
Basel Der Chancengleichheitspreis beider Basel "dass heisse Eisen" geht an das NEFU Netzwerk für Einfrau-Unternehmerinnen mit Sitz in Frenkendorf. Die beiden Gewinnerinnen teilen sich den mit 20 000 Franken dotierten Preis.
Die Regierung will mit dieser Wahl die Wichtigkeit innovativer Vernetzungsarbeit unter Berufsfrauen unterstreichen. Die Preisverleihung ist auf den 30. Oktober in Laufen angesetzt.
Zeitungsartikel BAZ vom 12. April 2002
Frauen vernetzen sich
Bei den SBB, der Post, den Basler Baufrauen und anderswo organisieren Frauen Werkstattgespräche. Die entstehenden Netzwerke sind wichtige Instrumente, um die Chancengleichheit zu fördern.
Bern. Männer schaffen sich ihre Netzwerke bereits in der Jugend: Bei den Pfadfindern, im Sportklub, in der Studentenverbindung entstehen Beziehungen, die oft lebenslang dauern. Später kommen weitere Netze dazu: das Militär, der Berufsverband, der Verein, der Stammtisch. Männer nutzen diese persönlichen Verbindungen gezielt für ihre berufliche Laufbahn. Anders die Frauen: Sie pflegen vorab ihre privaten, meist familiären Beziehungen. Im Beruf durch Vitamin B weiterzukommen, ist nicht ihre Sache. Deshalb stehen Frauen an männerdominierten Arbeitsplätzen oft isoliert da.
Projekt Werkstattgespräche
Dies müsse sich ändern, beschlossen vor fünf Jahren einige Frauen aus dem Umweltbereich. Und sie erfanden die so genannten Werkstattgespräche, Veranstaltungen, an denen der fachliche und persönliche Austausch gefördert wird. Etwa 15 Frauen führen während zweier Stunden ein moderiertes Gespräch über ein vorgegebenes Thema und pflegen dann beim Apéro auch persönliche Kontakte.
Der Verein Fachfrauen Umwelt, der Verein Planung-Architektur-Frauen, die Schweizerische Vereinigung für Ingenieurinnen und die Gewerkschaft Bau und Industrie sind die Trägerorganisationen des Projekts, das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann finanziert es mit. Heute breiten sich die Werkstattgespräche in den Betrieben und Verwaltungen von selber aus, so dass das Projekt an sich abgeschlossen werden kann. Die Initiantinnen haben einen detaillierten Leitfaden erarbeitet, der auf dem Internet unter www.werkstattgespraeche.ch zur Verfügung steht.
Bessere Vernetzung
An einer Medienkonferenz in Bern zog die Projektleiterin, die Berner Biologin und Unternehmensberaterin Kathrin Peter, Bilanz. Das Werkstattgespräch, sagte sie, könne überall da eingesetzt werden, wo Frauen ihr berufliches Beziehungsnetz in kurzer Zeit ausbauen und tragfähige Lösungen erarbeiten wollten. Es sei gebrauchsfertig, getestet und in verschiedenen Zusammenhängen anwendbar. Sowohl Grossunternehmen und öffentliche Verwaltungen wie auch Gewerkschaften, Vereine und projektbezogene Gruppen könnten davon profitieren. In der Bundesverwaltung werde mit den Werkstattgesprächen erreicht, dass Kaderfrauen untereinander besser vernetzt seien. Eine indirekte Folge davon sei die Erhöhung des Frauenanteils im Kader.
Instrument für Chancengleichheit
Die SBB haben bisher zwei Werkstattgespräche durchgeführt. Mit Erfolg, wie Olga Rosa, zuständig für Gleichstellungsfragen, berichtete. Frauen aus allen Divisionen hätten teilgenommen, vor allem auch jüngere. Die Teilnehmerinnen seien zum Schluss gekommen, dass sich die Frauen bei der SBB untereinander besser kennen lernen müssten. Ein Kernteam solle nun den Aufbau und die Erweiterung eines Frauennetzes vorantreiben. In diesem Jahr sei ein Werkstattgespräch zum Umgang mit der Informationsflut geplant. Im Weiteren wolle man den Frauen das Unternehmen näher bringen, unter anderem durch Besuche im Service Center in Freiburg und im Rangierbahnhof Muttenz. Persönliche Kontakte würden am monatlichen Mittagslunch gepflegt. Auch die Post hat mit den Werkstattgesprächen gute Erfahrungen gemacht. Nach Auskunft von Monika Bigler-Wälti, der Delegierten für Chancengleichheit, ist diese Methode der Begegnung leicht lernbar und eignet sich deshalb auch gut, um im Schneeballsystem weitergegeben zu werden. In die künftigen Werkstattgespräche bei der Post sollen auch Frauen aus der Romandie und dem Tessin einbezogen werden.
Frustrationen mit Vorwärtsstrategie begegnen
Luzia Borer ist Mitglied der Gruppe Baufrauen Basel, in der sich Frauen aus verschiedenen Bauberufen zusammengeschlossen haben. Sie hat im Rahmen einer gewerkschaftlichen Kampagne über betriebliche Gleichstellung Werkstattgespräche mitorganisiert. Die Frauen hätten dabei gemerkt, berichtete Luzia Borer, dass der Frustration und Resignation in einem oft frauenfeindlichen Umfeld mit Vorwärtsstrategien begegnet werden könne. Der Ausstieg aus diesem Arbeitsklima sei nicht mehr die einzige Option. Durch den Rückhalt und das Gespräch unter den Frauen werde das Selbstvertrauen gefördert. Für die selbstständig erwerbenden Frauen in den Bauberufen seien die Werkstattgespräche auch aus unternehmerischer Sicht wichtig. Es ergäben sich neue Arbeitsfelder und Möglichkeiten zur intensiveren Zusammenarbeit.
Heinz Däpp © 2002 National Zeitung und Basler Nachrichten AG
Zeitungsartikel BAZ vom 11. September 2002
Guter Beruf ist wichtig für Frauen
Mechanikerin oder Köchin? Das Projekt "look and go!" soll WBS-Schülerinnen die Berufswahl erleichtern. An einer Veranstaltung werden sechs Berufe vorgestellt. Zum Projekt wurde ein Film gedreht.
Wenn sie sich im Fernsehen Horrorfilme anschaut, in denen Leute im Lift stecken bleiben und nie mehr rauskommen, dann kugelt sich Conchita Figuerola vor Lachen. Als Polymechanikerin weiss sie, dass solche Szenen nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Weil es Menschen wie sie gibt: "Ich warte die Fahrstühle, kontrolliere und repariere sie", sagt die junge Frau, die durch ihren Job fast nur mit Männern zu tun hat. "Am Anfang waren viele Leute erstaunt darüber", sagt sie, "und manche Frauen erzählten mir, dass sie gern Schreinerin geworden wären, dies aber nicht durften."
Typische Männerberufe...
Conchita Figuerola ist eine von sechs Berufsfrauen, die in einem Film vorgestellt werden, der eigens für das Pilotprojekt "look an go!" gedreht wurde. Mit diesem Projekt soll WBS-Erstklässlerinnen die Berufswahl erleichtert werden und sie sollen davon überzeugt werden, dass es auch als Frau wichtig ist, einen guten Beruf zu erlernen. Und im November beginnt eine Veranstaltung in der "Kuppel" rund um diese sechs Frauen und deren Berufe. Pro Anlass wird eine Frau erzählen, wie sie zu ihrem Job kam. Der Film wird einen Teil dieser Veranstaltungen ausmachen.
Am Montag wurde der Film erstmals im Mädchentreff "Mädona" vor den Frauen gezeigt, die am Projekt beteiligt sind. Nebst Conchita Figuerola kamen darin auch andere Frauen mit typischen Männerberufen vor. Das Ziel war es jedoch nicht, solche Berufe zu pushen.
...und typische Frauenberufe
"Frauen in Männerberufen sind zurzeit im Trend. Wir wollten nicht auch noch mit diesem Thema kommen, sondern einen guten Mix finden", sagt die Projektleiterin Sabine Gysin. So kommen im Film nebst einer Polymechanikerin und einer Informatikerin auch Frauen vor, die typische Frauenberufe ausüben. Beispielweise die Coiffeuse Luciana Sammarruco. Sie hat einen eigenen Salon und ist somit ihre eigene Chefin. Für Luciana steht eines im Vordergrund: In ihrem Salon ist die Kundin Königin. Es sei zwar wichtig, als Coiffeuse gut auszusehen, aber "man sollte nicht übergestylt sein, sondern sich selber zurückstellen". sagt sie.
Basler WBS-Schülerinnen können sie und die anderen Berufsfrauen also an den entsprechenden "Kuppel"-Anlässen kennen lernen uns ausquetschen. Schülerinnen aus der restlichen Deutschschweiz dagegen müssen sich mit dem Film begnügen und mit einer Zeitung, die als Ergänzung dazu produziert wird.
...ohne Hochschulabschluss
Weiter wird mit Catherine Thommen eine siebte Berufsfrau vorgestellt: Die Telebasel-Journalistin wird den Berufsfrauen in der "Kuppel" auf den Zahn fühlen.
Bei der Auswahl der Berufe wurde darauf geachtet, dass diese möglichst verschieden sind. Die Informatikerin zum Beispiel schätzt an ihrem Job, dass sie sich dabei "die Hände nicht schmutzig macht". Anders als die Baumalerin, die "gern körperlich arbeitet" und ihren Beruf liebt, weil sie "anderen Menschen Farbe bringen kann". Auch sollten Berufe "im Angebot" sein, für die kein Hochschulabschluss erforderlich ist. Gysin: "Wir wollten Berufe vorstellen, die nach der WBS erreichbar sind."
Nicht nur Berufe, sondern auch Frauen sollten unterschiedlich sein und in verschiedenen familiären Verhältnissen leben. So muss sich die Köchin nach ihrem Kind richten, während die Krankenschwester unabhängig ist und jederzeit mit ihrem Freund in den WV-Bus steigen kann, wenn sie die Nase voll hat von Basel. Eines sollten laut Gysin jedoch alle sechs Frauen: gut ankommen bei den WBS-Schülerinnen. Unterstützt wird das Projekt durch das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann im Rahmen der Finanzhilfe nach dem Gleichstellungsgesetz. Auch tragen das Migros-Kulturprozent, die GGG und die Jacqueline-Spengler-Stiftung mit Spenden zur Finanzierung des Projektes bei. Im Beirat sind unter anderem
Ingrid Rusterholtz (Gleichstellungsbüro Basel-Stadt) und Marianne Stohler (Amt für Berufsbildung und Berufsberatung)
Martina Rutschmann © 2002 National Zeitung und Basler Nachrichten AG |
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